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Quelle: Solutions2Go

Test

PlayStation 4 Pro 4K HDR im Test: World War Z – Weit weg von Schwarmintelligenz

Mit zugkräftiger Lizenz versucht sich Saber Interactive an einem Koop-Shooter im Left 4 Dead-Stil und nutzt das Verlangen der Fans nach neuem Zombie-Futter auf der PlayStation 4 Pro in 4K und HDR im Test.

SINGLEPLAYER/KOOP-KAMPAGNE

Freunde der gepflegten Zombie-Action können sich direkt in die Koop-Kampagne stürzen, wahlweise online mit bis zu drei Mitstreitern oder im Offline-Modus mit drei computer-gesteuerten Begleitern. Ein lokaler Splitscreen-Modus wurde nicht implementiert. Die Kampagne besteht aus vier unterschiedlichen Szenarien, die an verschiedenen Orten angesiedelt sind und nur lose miteinander verbunden wurden. In New York, Jerusalem und Moskau dürft ihr drei und in Tokio zwei Level spielen. Alle Maps sind von Anfang an anwählbar.

Wer eine packende Geschichte im Stil des gelungenen gleichnamigen Spielfilms mit Brad Pitt in der Hauptrolle erwartet, wird maßlos enttäuscht. Zwischensequenzen gibt es nur zu Beginn und am Ende des Levels und sie beschränken sich entweder auf stereotypischen Militärjargon oder die Rettung eines für die Entwicklung eines Gegenmittels gegen die Zombieplage wichtigen Wissenschaftlers. Gesprächig sind die Charaktere während des eigentlichen Spiels nicht. Doch Left 4 Dead (L4D) hat gezeigt, dass es nicht einer hollywood-reifen Geschichte bedarf, um einen gelungenen Zombie-Shooter zu kreieren.

Von Anfang an stehen euch alle fünf Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Es lohnt sich auf der leichten Stufe zu starten, ab Klassenrang 16 empfiehlt das Spiel die Level auf “schwer” zu absolvieren. Klassenränge? Ganz genau, World War Z bietet in der Koop-Kampagne sechs unterschiedliche Klassen an. Der “Revolverheld” entspricht dem klassischen Fußsoldaten, der “Höllenfürst” stellt sich als Sprengstoffexperte heraus und daneben gibt es noch “Arzt”, “Bastler”, “Schlitzer” und “Schädlingsbekämpfer”. Jede Klasse verfügt über wichtige Perks, die ihr durch Levelaufstiege freischaltet. Der Bastler verfügt über den Perk “Packesel” und darf stets mit einem Aufklärungsgewehr auf dem Rücken und mehr Platz für Munition starten, der Schädlingsbekämpfer erhöht wiederum ab Level 30 mit dem Perk “Draufgänger” automatisch den Schusswaffenschaden um satte 25 Prozent, wenn sich 30 Zombies in seiner Umgebung befinden.

Den Zombieschwärmen dürft ihr euch mit allerlei Schusswaffen erwehren, darunter zahlreiche Schrotflinten, eine Armbrust mit Explosivgeschossen, Scharfschützen-, Sturm- und Bullpop-Gewehre. Als Nahkampfwaffe dient eine Machete. Ihr könnt unter Investition von Erfahrungspunkten die Werte der Schießprügel wie Durchschlagskraft und Präzision steigern. Die pro Level erzielten Punkte richten sich nach eurem gewählten Schwierigkeitsgrad und zu Beginn könnt ihr fleißig Waffenverbesserungen kaufen. Mit der Zeit werden die Upgrades allerdings richtig teuer und um auf den höheren Stufen zu bestehen, müsst ihr dieselben Level immer wieder unter gleichen Bedingungen abschließen. Das Lobo-Waffenpaket bietet für 2,99 Euro die Lobo-Nahkampfwaffe “Geißel der Untoten” sowie goldene (Maschinen-)Pistolen und Sturmgewehre.

Eure Erfahrungspunkte könnt ihr nicht nur in Waffen, sondern auch in Skills für eure momentan gewählte Klasse stecken. Wir waren zumeist als Revolverheld unterwegs und konnten mit der Zeit mit immer neuen Waffen starten und den automatischen Markierungsradius der Zombies erhöhen.

Ihr könnt wie in Destiny 2 eine Wurfwaffe (Granaten, Molotows), ein Gewehr, eine Pistole und eine Spezialwaffe (Raketenwerfer, Railgun) tragen. Das sogenannte Gunplay ist recht gut gelungen. Stellen wir die standardmäßig recht hoch eingestellte Sensitivität etwas herunter, lässt sich relativ präzise schießen. Die Waffen spielen sich angenehm unterschiedlich, sodass man häufig neue Waffen aufsammelt.

In den Missionen wird man in einem Einsatzgebiet ausgesetzt und muss dann meist mit einem Helikopter daraus flüchten. Dazwischen eskortiert man computer-gesteuerte Personen, verteidigt in der Regel zwei Areale gegen Zombie-Schwärme und aktiviert ein paar Schalter. Jeder Auftrag läuft nach diesem Schema ab, sprich nachdem man erfolgreich aus Tokio geflüchtet ist, hat man bereits alle Spielelemente gesehen.

Das Alleinstellungsmerkmal von World War Z sind die riesigen Zombie-Schwärme. Seht ihr sie zu Beginn nur im Vorbeilaufen, müsst ihr später an festgelegten Punkten am Wegesrand aufgesammelte elektrisierende Bodenplatten verlegen sowie stationäre und teils automatisierte Maschinengewehre platzieren. Hier schlägt unser Ungeziefermelder zum ersten Mal an: Aufgrund eines Bugs stehen uns manchmal weniger Verteidigungspositionen zur Verfügung. Die Lösung: sich zum letzten Sicherungspunkt zurücksetzen zu lassen. Ansonsten ist das Spiel relativ fehlerfrei, von einigen Clippingfehlern abgesehen.

Zu euren Gegnern gesellen sich neben den Standardzombies “Bull”, “Hazmat”, “Creeper” und “Screamer”. Der Hazmat entspricht dem “Boomer” (versprüht beim Ableben giftiges Gas), der Bull dem “Tank” (ein aufgepumpter Soldat), der Screamer der “Witch” (ruft Zombies herbei) und der Creeper ist eine Mischung aus “Hunter” und “Jockey” (versteckt sich und springt euch dann an) aus L4D.

Diese Verteidigungssituationen sind interessant, da die Schwärme imposant aussehen und ihr manchmal gleich von mehreren Seiten angegriffen werdet. Da lohnt es sich online mit drei anderen erfahrenen Zombie-Jägern zu spielen, denn die KI-Begleiter (Künstliche Intelligenz) stehen zumeist tatenlos herum. Zwar sichern sie euch beim Rennen von A nach B vorbildlich und helfen euch nach einer Attacke eines der Spezialzombies ohne großen Gesundheitsverlust hoch, verweigern bei der Erfüllung von Missionszielen aber partout den Dienst. Weder Schalter noch Mörser, der direkt neben ihnen steht, werden benutzt. Das Auf munitionieren von leer geschossenen Automatikgeschützen bleibt euch auch allein überlassen. So wird jede Verteidigungssituation zur Nervenprobe und auf den höheren Schwierigkeitsgraden sieht man aufgrund der Masse an Zombies buchstäblich kein Land mehr.

Die Entwickler haben es versäumt die Missionen so zu designen, dass sie einen wirklichen Wiederspielwert haben. Zombies, inklusive der o.g. Freaker, erscheinen stets an den gleichen Positionen, genauso wie die Waffen. Es gibt nur geringfügige Unterschiede, wenn man einen anderen Schwierigkeitsgrad wählt (mehr Zombies) oder eine andere Wand mit dem versteckten C4-Päckchen aufbricht (Stacheldraht statt MG für die nächste Verteidigungssituation).

MULTIPLAYER

World War Z bietet zusätzlich zur Koop-Kampagne einen kompetitiven Online-Mehrspielermodus an. Darin treten wir in den Varianten Quick Match (zufälliger Modus), Schwarm-Vorherrschaft (mit Team Zonen halten und Punktzahl erreichen), King of the Hill (Hügel beherrschen, Punktzahl erreichen), Schwarm-Todeskampf (klassisches Team-Deathmatch), Scavenge Raid (Ressourcen sammeln, Punktzahl erreichen) und Impfstoffjagd (Objekt behalten, Punktzahl erreichen) an.

Aufgrund der äußerst geringen Anzahl an Karten befindet man sich ständig in den gleichen Arenen. Sie sind zwar offener gestaltet als die Levelschläuche aus der Koop-Kampagne, bieten aber für 4-gegen-4-Matches zu wenig Spielraum und Abwechslung. Hätte man ein Crafting-System im Stile von Days Gone implementiert und sich etwas kreativere Modi ausgedacht, wären Fans der gelungenen Mehrspielervariante von The Last of Us sicher begeistert gewesen und hätten sich die Wartezeit auf Part II mit World War Z verkürzen können. In der aktuellen Form ist der Multiplayer-Modus von World War Z allerdings nichts weiter als ein Gimmick.

Anders als in der Koop-Kampagne steht uns hier ganze zehn Klassen zur Verfügung, die sich in der jeweiligen Ausrüstung unterscheiden. Der “Überlebenskünstler” ist etwa mit Schrotflinte, Revolver und Molotow ausgestattet und der “Attentäter” zieht mit MP, Pistole und Taser in den Kampf. Die Bewaffnung lässt sich den eigenen Vorlieben anpassen und mit Erfahrungspunkten aufwerten. Die Punkte aus eurem Fortschritt in der Koop-Kampagne und im Multiplayer werden im Übrigen unabhängig voneinander verwaltet.

Kommt man in der Koop-Kampagne mit drei Spielern noch ohne größere Lags aus, ist der sogenannte PvPvZ-Multiplayer (Player vs. Player vs. Zombies) aufgrund der schlechten Verbindungsqualität zu großen Teilen unspielbar. Hier muss Saber Interactive definitiv nachbessern, andernfalls wird die Spielerschaft schnell zum nächsten kompetitiven Titel abziehen und World War Zs Multiplayer-Modus obsolet machen.

GRAFIK/SOUND

Wäre World War Z zu Beginn der aktuellen Konsolengeneration erschienen, wäre es insbesondere wegen der imposant in Szene gesetzten Zombieströme durchaus beeindruckend. Im Jahr 2019 haut einem die gebotene Optik allerdings nicht mehr vom Hocker. Nichtsdestotrotz sind die Animationen flüssig, Böden und Wände werden dank Bump Mapping plastisch dargestellt und die Umgebung ist durchaus detailliert. Auch Flora und Fauna werden nicht vernachlässigt. Steril sieht es trotzdem aus. Da hilft auch nicht, dass einmal pro Level zwei Hubschrauber über euch hinweg fliegen. Ladezeiten gibt’s innerhalb der Level keine. Das alles ist allerdings nur möglich, weil man sich in World War Z zumeist durch Levelschläuche hindurchbewegt.

Das Spiel wird größtenteils flüssig mit 30 Bildern pro Sekunde dargestellt und das auf allen Konsolen, egal ob auf der von uns verwendeten PlayStation 4 Pro, auf der Xbox One X oder einer Standard-PS4/Xbox One. Besitzer einer Pro- bzw. X-Konsole bekommen lediglich eine höhere Auflösung, die sich dynamisch auf bis zu 4K erhöht, spendiert. HDR (High Dynamic Range)? Fehlanzeige. Details zu den genauen Auflösungen auf den unterschiedlichen Systemen sind nicht bekannt. 60 FPS sind lediglich auf dem PC möglich und dort werden auch Ultra Widescreen-Auflösungen unterstützt.

Spiele wie The Last of Us, schaffen es durch exzellentes Sounddesign eine packende Atmosphäre aufzubauen. In World War Z wird hingegen durch sich ständig wiederholende Umgebungsgeräusche und die dezente Musik kein Nervenkitzel aufgebaut. Die englische Synchronisierung ist gelungen, kommt allerdings kaum zum Einsatz. Wir wissen, dass die Zombies “Zekes” im World War Z-Kosmos heißen, haben aber absichtlich auf den verbreiteten Begriff gesetzt.

Publisher: Focus Home Interactive Entwickler: Saber Interactive Altersfreigabe: Ab 18 Jahren Genre: Action-Adventure

World War Z ist seit dem 16. April 2019 für PlayStation 4, Xbox One und PC erhältlich. Bis zum 29. Mai 2019 ist der Koop-Shooter im PlayStation Store um 30 Prozent von 39,99 Euro auf 27,99 Euro reduziert zu haben.

7/10

Fazit:

World War Z ist ein geradliniger Koop-Shooter für die gediegene Samstagabend-Unterhaltung mit bis zu drei Freunden, wenn man Left 4 Dead schon in und auswendig kennt. Der Titel, schafft es durch die ereignislosen und abwechslungsarmen Level und ständig sich wiederholende Spielelemente und den tristen teils unspielbaren kompetitiven Mehrspielermodus nicht dauerhaft zu motivieren. Auch technisch bleibt man von aktuellen Standards fern.

Pro:

– Kampagne kann mit bis zu vier Spielern durchgespielt werden

– 6 bis 10 Charakterklassen (Kampagne/Multiplayer) mit Spezialisierungsmöglichkeiten

– Große Waffenvielfalt

– Beeindruckende Zombie-Schwärme

– Interessante Schauplätze

 

Kontra:

– Monotone Geschichte als Mittel zum Zweck

– Spielelemente nicht spannend und werden ständig wiederholt

– Unkreatives Leveldesign (Schläuche in Kampagne, Arenen in Multiplayer)

– Grausame Verbindungsqualität im Multiplayer-Modus

– Bleibt technisch hinter aktuellen Möglichkeiten zurück

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