Connect
To Top

The Limehouse Golem – Die Music Halls, große Bühne des 19. Jahrhunderts

Sie waren damals die großen schillernden Unterhaltungsstätten für das amüsierwillige Publikum Londons: die Music Halls.

Hier wurden Bühnenshows, Restaurants und Bars geboten – lange bevor Kino und Fernsehen zur beliebtesten Freizeitbeschäftigung wurden. Mit dem „Theatre Regulation Act“ aus dem Jahr 1843 verloren die Theater in London ihre Privilegien für Bühnenaufführungen, und es schlug die Stunde der Music Halls, deren Ruf aber nicht selten unseriös und verrucht war. Vergleichbar war ihr Unterhaltungsprogramm mit einem Varieté mit akrobatischen und musikalischen Elementen oder aber mit einer Zirkusaufführung. In London nahmen die Karrieren späterer Weltstars auf der Bühne einer Music Hall ihren Anfang: Zu ihnen gehören die Komiker Stan Laurel und Charlie Chaplin, die beide später nach Hollywood übersiedelten. Und nicht nur sie erlangten Weltruhm: einer der bekanntesten Music Hall-Stars war Dan Leno (eigentlich George Wild Galvin), geboren 1860 in London. Vielseitig begabt, auch als Pantomime, war er bekannt für seine Frauenrollen in Weihnachtsstücken, seinen Holzschuhtanz und seine typischen komödiantischen Music Hall-Darbietungen als überzogene Figuren aus dem Alltagsleben. In den späten 1880er Jahren begann sein Ruhm stetig zu wachsen, und bald war er der bestverdienende Komödiant der Welt, an dessen Stil und Ausdruck sich auch spätere Filmstars wie zum Beispiel Peter Sellers ein Vorbild nahmen.

So wie das Publikum heute seine Leinwand- und Internethelden vergöttert, so vergötterte es im viktorianischen London Stars wie Dan Leno. Doch heute wie damals gilt, dass großem Ruhm auch tiefer Fall folgen kann, und genauso war es: Leno begann zu trinken und war zusehends von der Idee besessen, ernste Rolle zu spielen. Er wollte auf die Theaterbühne und Richard III und andere Shakespeare-Parts übernehmen. Dafür war er sogar bereit, die Aufführungen selbst zu finanzieren und versuchte sogar die Theaterleiterin des berühmten „His Majesty Theatres“ mit Juwelen zu bestechen. Frustriert, dass man ihn als ernsthaften Darsteller ablehnte, wurde Dan Leno immer cholerischer und bald bekannt durch seine beängstigenden Wutausbrüche. Er konnte sich seine Texte nicht mehr merken, litt an fortschreitender Taubheit und wurde schließlich in eine Heilanstalt eingewiesen. Seine letzte Show bekam so schlechte Kritiken, dass Leno seine eigene Verteidigungsrede für die Presse verfasste. Verbittert verstarb er 1904 mit nur 43 Jahren – 36 Jahre davon hatte er fast täglich auf einer Bühne gestanden.

Die Music Hall mit ihrer Frivolität und Maskerade und als geheimnisvolle Parallel-Welt eignet sich als perfektes Setting für einen Thriller wie „The Limehouse Golem“, in dem ein besonders brutaler Serienmörder sein Unwesen treibt – und in dem der legendäre Dan Leno eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Scotland Yard-Inspektor John Kildare (Bill Nighy) wird auf den Fall angesetzt, und bald führen ihn seine Ermittlungen zur beliebten Music Hall in Limehouse, die von eben diesem Dan Leno geleitet wird.

Inhalt:

London im Jahr 1880. Im heruntergekommenen Bezirk Limehouse treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der auf besonders brutale Art vorgeht. An den Tatorten hinterlässt er mit dem Blut seiner Opfer geschriebene Botschaften, die in lateinischer Sprache verfasst sind. Die Taten sind derart grausam, dass viele Menschen annehmen, sie wären von einem mystischen Wesen verübt worden: dem Golem, einer aus Lehm geformten Kreatur der jüdischen Literatur. Inspektor John Kildare (Bill Nighy) soll den Fall lösen und dafür sorgen, dass wieder Ruhe unter der Bevölkerung einkehrt. Seine Ermittlungen führen ihn in den Dunstkreis des schillernden Dan Leno (Douglas Booth), der eine in Limehouse äußerst beliebte Music Hall leitet. Außerdem stellt sich ihm die Frage, wie Lenos Schauspiel-Kollegin Elizabeth Cree (Olivia Cooke), die ihren Mann vergiftet haben soll, in die Vorfälle verwickelt sein könnte. Als er auf eine heiße Spur stößt, wird der Ermittler selbst immer tiefer in den spektakulären Fall verwickelt.

Jane Goldman („Kingsman: The Golden Circle“, „Die Insel der besonderen Kinder“) schrieb das Drehbuch, das auf der Romanvorlage „Dan Leno and The Limehouse Golem“ von Peter Ackroyd basiert. Die Regie übernahm Juan Carlos Medina („Painless“). In den Hauptrollen überzeugen Bill Nighy „Tatsächlich…Liebe“, „Fluch der Karibik“ 2 + 3), Olivia Cooke („Ouija – Spiel mit dem Teufel“), Douglas Booth („Noah“, „Stolz und Vorurteil und Zombies“) und Eddie Marsan („Sherlock Holmes“, „Gefährten“). The Limehouse Golem feierte seine Weltpremiere im September 2016 beim Toronto International Film Festival.

Kinostart: 31. August 2017

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.