Connect
To Top

Mesut Özil bekommt die Konsequenzen vom schlechten Timing

Wegen ein Bild mit Recep Tayyip Erdogan und den Nationalmannschaftsspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan überschlugen sich seit dem 13. Mai die Nachrichten und Meldungen.

Letzterer veröffentlichte 24 Stunden nach Erscheinen des Fotos ein Statement für die Öffentlichkeit. Mesut Özil äußerte sich erst nach 71 Tagen am gestrigen Sonntag dazu. „Wenn Özil frühzeitig ein solches Statement zu seinen Beweggründen abgegeben hätte und er deswegen kritisiert worden wäre, hätte man lediglich dem Kritiker Intoleranz vorwerfen können und nicht Özil“, so Nicolas Fink, Experte für Markenmanagement und Öffentlichkeitsarbeit im Sport an der SRH Fernhochschule – The Mobile University und Geschäftsführer des BASF Tennisclub e.V.

Mesut Özil findet in seiner Nachricht sehr klare Worte über den Anlass und den Hintergrund seines Bildes. Alle Welt richtet nun den Fokus auf dieses Statement. Die Aussagen erhalten eine übermäßige Aufmerksamkeit, die hätte vermieden werden können, wenn Özil seine Beweggründe viel früher kommuniziert hätte. „Gerade weil er sich auf einen respektvollen Umgang und die Meinungsfreiheit beruft und damit sachliche Gründe für das Foto hatte, hätte er sich in unserer heutigen Informationsgesellschaft viel früher zu Wort melden müssen“, so Fink.

Gündogan lieferte damals eine transparente und nachvollziehbare Erklärung, die sachlich unangreifbar war. Danach richtete sich der Fokus fast ausschließlich auf Özil, der zu dem Thema weiterhin schwieg. „Gündogan hat dadurch, dass er seine ehrlichen Gedanken mit der Öffentlichkeit teilte, Krisenmanagement betrieben und ist aus der Geschichte mit deutlich weniger Schaden hervorgegangen wie sein Fußballkollege“, erklärt Fink.

An Gündogans Beispiel wird deutlich, dass Krisen im Sport ein gewisses Verfallsdatum haben und sich die Aufmerksamkeit von Fans und Medienkonsumenten nach einiger Zeit auf andere Themen richten. Özil hingegen äußerte sich über 70 Tage nicht dazu und blieb dadurch weiterhin Gegenstand von Spekulationen in der Öffentlichkeit. Dabei wurde zwischen Politik und Sport ein Zusammenhang hergestellt, auch wenn Özil nun klarstellt, dass das Bild für ihn keine politischen Hintergründe hatte. Fakt ist dennoch, dass das Bild während einem Wahlkampf und unmittelbar vor einem Turnier mit Länderidentifikation gemacht wurde. Gerade schon aufgrund dieser beiden äußert relevanten Situationen hätte er früh für Klarheit sorgen müssen. „Heutzutage bedeutet die Vorbildfunktion der Sportler nicht unbedingt, fehlerfrei zu sein, aber sein Verhalten sachlich zu reflektieren und zu bewerten. Das heißt wenn Fehler passieren, diese einzugestehen oder bei kommunikativen Missverständnissen – wie im Fall Özil – diese öffentlich zu erläutern und auszuräumen“, so Fink.