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Interviews

EGX Berlin 2019: Interview mit John Baez und Ian Moreno von The Behemoth

Auf der EGX Berlin 2019 hatten wir die Gelegenheit, uns mit John Baez und Ian Moreno von The Behemoth (Castle Crashers, Pit People) zu unterhalten.

Hallo John und Ian. Wie gestalten sich eure Rollen bei The Behemoth aus und welche Spiele habt ihr derzeit in der Pipeline?

John: Ich bin John Baez. Ich bin einer der Mitbegründer von The Behemoth und kümmere mich dort um das Marketing und Business Development. Zu meinen Aufgaben gehört auch, Figuren zu unseren Spielen in China fertigen zu lassen.  Wir sind in 2003 gegründet in San Diego, Kalifornien. Und wir sind hier auf der EGX Berlin um unsere neuesten Spiele zu präsentieren. Wir haben gerade Castle Crashers auf PS4 und Switch herausgegeben und auch unser neuestes Spiel Pit People auf Xbox One und Steam letztes Jahr herausgebracht. Wir machen immer noch Marketing für Pit People.

Ian: Ich bin Producer bei The Bohemeth und spreche Yosef in Pit People.

Fanclub Magazin: Wie kommt Pit People in Deutschland an?

John: Wir wissen, dass man in Deutschland Brettspiele mag und dort nicht zwingend viel Action benötigt. Pit People ist ein rundenbasiertes Strategiespiel. Daher dachten wir, dass es hier gut ankommen würde.

Fanclub Magazin: Wird Pit People auch für die Nintendo Switch veröffentlicht werden?

John: Dazu haben wir noch nichts angekündigt. Wir konzentrieren uns aktuell ausschließlich auf die Xbox One- und Steam-Versionen. Unser Team ist klein, wir sind nur 18 Leute. Es dauert ein bisschen, bis wir unsere Spiele für alle verschiedenen Konsolen veröffentlichen können.

Fanclub Magazin: Was macht man in Pit People?

John: Pit People ist, wie gesagt, ein rundenbasiertes Strategiespiel. Du spielst einen Vater, der seine Familie verloren hat. Er sieht sich gezwungen, eine Reise anzutreten und Rache zu verüben. Auf dieser Reise schließen sich ihm verschiedene Leute an, damit er nicht alleine kämpfen muss.

Fanclub Magazin: Erzählt uns bitte etwas über die unterschiedlichen Gruppenmitglieder. Sind sie in verschiedene Klassen unterteilt und welche Arten gibt es davon?

John: In dem Spiel gibt es viele unterschiedliche Klassen und es ist wichtig hervorzuheben, dass man das Spiel nicht alleine absolvieren kann.

Ian: In Pit People gibt es vier Hauptfiguren – fünf, wenn man den Muffin Man dazuzählt – und 16 unterschiedliche Charakterarten.

Fanclub Magazin: Welche Modi gibt es in Pit People und wie funktioniert der Koop-Modus?

John: Es gibt eine Einzelspielerkampagne und einen off- und online-spielbaren Koop-Modus für zwei Personen. In dem Arena-Modus können zwei Spieler gegen zwei weitere Spieler antreten. In der Kampagne spielt jeder Spieler kann bis zu sechs Slots mit Charakteren füllen.

Ian: Die Charaktere nehmen unterschiedlich viel Platz ein. Während der Hühne zwei Slots benötigt, verbraucht der Zombie nur einen halben. Man kann also bis zu zwölf Zombies mit sich führen, da sie lediglich sechs Steckplätze verwenden. Du kannst das Spiel alleine beginnen und dein Freund kann im Verlauf des Spiels einsteigen und dich unterstützen. Das Spiel verwendet denjenigen Speicherstand, der am weitesten vorangeschritten ist. In dem Arena-Modus treten vier Spieler in zufällig ausgewählten Level gegeneinander an. Diese Arenen sind allerdings nicht zufallsgeneriert.

Fanclub Magazin: Wird sich die Anzahl der Slots im Laufe des Spiels erhöhen?

John: Mehr als sechs Slots pro Spieler sind nicht geplant, da es anderweitig zu kompliziert werden würde.

Fanclub Magazin: Bedeutet die Einbindung von Zombies, dass sich die Altersfreigabe von Pit People erhöht hat?

John: Nein, Pit People ist von der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) ab 12 Jahren freigegeben worden, genauso wie Castle Crashers. Merkwürdigerweise wurde Castle Crashers hingegen von der PEGI (Pan European Game Information) für Spieler ab 16 Jahren zugelassen (Anm. d. Red.: Pit People wurde von der PEGI auch ab 12 Jahren freigegeben). In den USA ist das Spiel jedenfalls für das Siegel “T for Teens” eingestuft worden.

Fanclub Magazin: Wie fühlt ihr euch als unabhängiges Studio und wie sieht eure Zukunft aus?

John: Wir werden nicht von einem großen Publisher unterstützt und bezahlen alle Rechnungen selbst, darunter fällt auch das Marketing. Wir sind natürlich großer als ein zwei-Mann-Studio – das sind die richtigen Indies. Es ist schwieriger geworden, denn es gibt so viele Spiele. Middlewares wie Unreal Engine, Unity und Game Maker machen es einfach, ein Indie-Entwickler zu sein. Es ist daher einfacher geworden, ein Spiel zu machen, aber schwieriger, Profit mit nur ein bis zwei Spielen zu erzielen.

Fanclub Magazin: Wie seht ihr das Vorurteil, dass Indie- gleich Pixel-Spiel bedeutet und manch eingefleischter Spieler eine Abneigung gegenüber solchen Spielen hat, weil sie kaum Neues bieten würden?

John: Wir haben bis jetzt glücklicherweise immer die Spiele, die wir spielen wollen, gemacht. Zum Glück kamen unsere Spiele bislang gut an, auch wenn sie in eine Retro-Richtung gehen. 2D heißt ja nicht automatisch Pixel-Spiel. Unsere 2D-Grafiken wurden von Hand gezeichnet und fühlen sich, für mich, lebendig an. In der Entwicklung unserer Spiele versuchen wir ständig neue Kniffe zu finden.

Fanclub Magazin: Was wäre dieses neue Element in Pit People?

John: Ich habe schon immer Strategiespiele gemocht, doch sie waren zu kompliziert und haben zu viel Mikro-Management erfordert. In Pit People nehmen wir dem Spieler das Mikro-Management ab. Hier ist es wichtig, die eigenen Charaktere clever zu positionieren. Der Spieler zielt dabei nicht auf einzelne Gegner, stattdessen berechnet der Computer die Schadenswerte basierend auf den Positionen des Angreifers und des Angegriffenen. Dabei muss man die individuellen Talente der Charaktere wie Stärken im Nah- oder Fernkampf nutzen und taktiert im größeren Rahmen, während man sich nicht mit Kleinigkeiten beschäftigen muss. Dadurch, dass wir uns entschieden haben ein rundenbasiertes Kampfsystem einzubauen, spielt es sich langsamer und artet nicht in Arbeit aus.

Fanclub Magazin: Sind Echtzeit-Elemente auch enthalten?

Ian: Lediglich in der Weltkarte, über die man sich bewegt. Hier laufen Echtzeit-Events ab. Ihr werdet z. B. gejagt oder mit Kämpfen, die rundenbasiert ablaufen, konfrontiert.

Fanclub Magazin: Zu der Struktur von Pit People: Ist das Spiel linear angelegt oder kann man sich frei umher bewegen?

John: Im Laufe des Spiels wirst du unglaublich viele Kämpfe außerhalb der Kampagne bestreiten können.

Ian: In Pit People warten über 100 Missionen und Quests auf euch,-

John: die nicht Teil der Haupt-Story sind.

Fanclub Magazin: Wie lange muss man Pit People spielen, bis man alles gesehen hat?

John: Für immer. [lacht] Du wirst locker acht Stunden damit beschäftigt sein, es ist ein großes Spiel.

Fanclub Magazin: Was ist euer Lieblingselement in dem Spiel?

John: Das Cupecake Land gefällt mir ziemlich gut. Es gibt eine Welt voller Muffins, die man bekämpfen muss. Das macht mir Spaß.

Ian: Der Zyklop Yosef, dem ich meine Stimme geliehen habe. Er spricht nur Kauderwelsch. Es hat eine Menge Spaß gemacht.

Fanclub Magazin: Wie lange hat es gedauert, alle Dialogzeilen dieses Charakters einzusprechen?

Ian: Gemeinsam mit den anderen Synchronsprechern habe ich versucht herauszufinden, welche Stimme am besten zu ihm passen würde. Ich habe dabei eine genaue Vorstellung von Yosefs Stimme entwickelt. Also habe ich ihn einfach selbst vertont. Es schien jedem gefallen zu haben, also ist es in dieser Form in dem Spiel gelandet. Meine Dialoge in Pit People bestehen aus ein bis drei Sekunden kurzen Audioschnipseln, von denen es in dem Spiel rund 30 gibt. Diese Schnipsel werden in zufälliger Abfolge abgespielt. Bis wir die richtigen Takes gefunden, es geschnitten und passende Effekte daraufgelegt haben, hat es zwei bis vier Wochen pro Charakter gedauert.

Fanclub Magazin: Was hat es mit dem Insane- und Permadeath-Modi auf sich?

Ian: In all unseren Spielen ist ein Insane-Modus enthalten. Also sind wir diesmal nicht davon abgerückt. Die Gegner haben darin mehr Gesundheit und ihre Angriffe sind effektiver. Alles ist eine Stufe schwerer. In der regulären Kampagne werden Charaktere nach ihrem Ableben bei der Rückkehr in die Stadt wiederbelebt, doch in dem Permadeath-Modus verliert ihr einen Charakter, wenn er im Kampf stirbt. Die Spieler bauen eine Bindung zu den Charakteren auf und wenn sie dann sterben, ist das sehr traurig.

John: Ihr habt nur sechs Slots für Charaktere, doch in der Stadt könnt ihr weitere Kämpfer unterbringen.

Fanclub Magazin: Haben die einzelnen Charaktere auch Hintergrundgeschichten?

John: Einige davon ja.

Fanclub Magazin: Wie könnt ihr eure Spiele so günstig anbieten?

John: Wir wollen, dass viele Leute unsere Spiele spielen. Für uns ist diese Preisgestaltung passend. Wir sind kein Triple A-Studio, dessen Spiele von EA für 50 Euro in’s Regal gestellt werden. Es ist besser, wenn viele Leute unsere Spiele spielen. Bei Castle Crashers sind wir unserem Preis seit 2008 treu geblieben. Auch für die Remastered Edition wollten wir den Preis nicht erhöhen.

Fanclub Magazin: Wie lautet eure Erfolgsformel?

John: Ich habe keine Ahnung von Marketing. Aus meiner Perspektive weiß niemand in dem Bereich der Entwicklung von Videospielen alles über Marketing. Wer behauptet, genau zu wissen was dabei zu tun ist, weiß gar nichts. Man muss jeden Tag einfach neue Sachen ausprobieren. Deswegen besuchen wir Berlin, London, Seattle, Boston und den Rest der Welt, beginnen mit Streaming und Let’s Play-Videos.

Fanclub Magazin: Plant ihr Pit People nach der Veröffentlichung mit Download-Erweiterungen (DLC) zu unterstützen?

John: Wir mögen DLC nicht. Wir setzen auf die Devise “pay to download” (einmal kaufen, das war’s). Die Remastered Edition von Castle Crashers enthält deswegen alle bislang erschienenen DLCs. Man muss nichts dazu kaufen. Unsere DLCs waren nie teuer.

Fanclub Magazin: Wie lange nimmt für euch die Entwicklung eines Spiels in Anspruch?

John: Mehrere Jahre. Wir sind klein, langsam, aber wir machen es richtig. Die Remastered Edition für die Switch und PS4 war anderthalb Jahre in Entwicklung.

Ian: An Pit People haben wir circa vier Jahre lang gearbeitet. Dazu gehörten auch der Early Access und eine Betaphase. Es ist unser größtes Spiel, was den Umfang und den Inhalt betrifft. Während der Entwicklung von Pit People haben wir zusätzlich Castle Crashers Remastered auf Xbox One gebracht. Hinzu kommen auch Messebesuche wie dieser. Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit euren Spielen.

Das Interview ist in Zusammenarbeit mit XTgamer geführt worden.

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